habito

4. April 2018
von thobit
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Von Staatsbürgern, Kühen und Depression

Der Staat – sind wir das? Der Staat ist eine profitmaximierte Massen-Menschhaltung. Die Kühe meinen vielleicht: Der Kuhstall – das sind wir. Sie haben Personal, das ihnen die Bude sauber macht, Futter bringt und sie melkt, damit das Euter nicht schmerzt, und sie fühlen sich wichtig und geachtet, weil man ihnen den Stall gebaut hat. Sie kennen es nicht anders und sie haben nicht die Phantasie, sich etwas anderes (besseres) vorzustellen, und das ist gut so, weil sie andernfalls an die Hoffnungslosigkeit ihrer Situation denkend zugrunde gehen würden. Bei Menschen heißt das Burnoutsyndrom oder Depression.

28. März 2018
von thobit
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Greindonnerstag

Das Radio meldet, dass es für morgen – Gründonnerstag – kaum Veranstaltungstipps gibt, weil ja ab 2 Uhr ein Tanzverbot gilt.

Wenn das früher schon so gewesen wäre, dürfte außer Frage stehen, dass dieser Tag ursprünglich Greindonnerstag geheißen hat – von greinen – weinen und klagen. Aber seit dem 4. Jahrhundert war das ein kirchlicher Freudentag, an dem die zuvor Exkommunizierten nach Buße und Vergebung endlich wieder zur Kommunion zugelassen waren.

In Bayern weiß jeder, dass Karfreitag nicht getanzt wird. Wo mag das stehen? In der Bayrischen Verfassung? Fehlanzeige. Grundgesetz, BGB, StGB? Fehlanzeige. Aber ab Gründonnerstag 2.00 Uhr herrscht da 70 Stunden lang Ruhe in den Diskotheken und Clubs – in der Stadt wie auf dem Land.

Mein Gott, das schadet ja niemandem, wenn man ausnahmsweise mal ein paar Stunden aufs Tanzen und auf Pop-Musik verzichtet, die nicht von J. S. Bach oder wenigstens traurig ist. Tut vielleicht gut, mal was anderes zu tun und zu hören. Oder?

Der neue Tag beginnt – wie früher jeder wusste – mit dem Sonnenuntergang und nicht um null Uhr. Daher kommt der Name des Wochentages Sonnabend, des Tages also, an dem es am Abend Sonntag wird. Deshalb heißt es Heiliger Abend: weil am Abend des 24. Dezember der heilige Weihnachtstag beginnt.

Logisch wäre also, das Vergnügungsverbot für den Karfreitag, das auch außerhalb von Bayern gilt, am Gründonnerstag nach Sonnenuntergang beginnen zu lassen und Karfreitag nach Sonnenuntergang tanzen zu gehen, weil es dann schon Sonnabend ist.

Ein mündiger Bürger könnte vielleicht selbst entscheiden, wie er die Feiertage verbringt. Man könnte es der unsichtbaren Hand, die auf göttliche Weise alles zum Guten wendet – dem Markt nämlich – überlassen, die richtige Ordnung herzustellen. Aber sicher ist sicher.

Die Kräfte des Marktes bestimmen, ob jemand eine Wohnung hat, aber Gesetz ist, dass er sich nicht am Karfreitag von seiner Matratze unter der Brücke erhebt und tanzt.

27. März 2018
von thobit
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Menschenfreundliche Stadt

Es ist nicht mehr zu übersehen, dass die Funktionsentflechtung, wie sie in den zwanziger Jahren entwickelt und mit der „Charta von Athen“ 1933 propagiert wurde, ein Irrtum gewesen ist. Im Namen von Hygiene, Ordnung und Verkehr wird seitdem die traditionelle Stadt zerstört. Die Reduzierung  der Stadtplanung auf reine Betriebstechnik wird aber der menschlichen Psyche nicht gerecht. Die Annahme damaliger Stadtplaner, der Verkehr sei zu einer wesentlichen Funktion des urbanen Lebens geworden, ist meines Erachtens falsch. Die ursprüngliche Funktion der Stadt war nicht die Fortbewegung sondern das Verharren. Menschen treffen sich an einem Ort und beschließen, zusammen dort zu leben. Daraus erst entsteht Stadt, nicht aus der Bewegung.

Eine Stadtplanung mit menschenfreundlicher Nutzungsmischung bei hoher Bebauungsdichte verringert den Transportbedarf und die Zahl der Privat-PKW, hält Wegstrecken kurz und damit das Verkehrsaufkommen gering, die Flächen für ruhenden und fließenden Verkehr können reduziert werden. Werden Wohnungen, Restaurants, Geschäfte, emissionsarme Gewerbe, Kinos und Theater in einem Viertel angesiedelt, können Menschen in diesem Stadtviertel wirklich leben und nicht nur dort schlafen.

Wir sollten bei der Planung neuer Wohngebiete nicht mehr vergessen, dass der Mensch für seine Gesundheit mehr braucht als praktische und wirtschaftliche materielle Ausstattung. Die menschenfreundliche Stadt bietet Plätze, Zeichen, Merkmale, Objekte, die zum Verweilen und zum Plausch einladen und ungefährdetes Spielen der Kinder zulassen. Soziales Leben braucht Kristallisationskerne. Die sozialen Elemente der Architektur sind es, die ein Wohnquartier zur Heimat machen. Je stärker die Identifikation mit dem Wohnumfeld ist, desto größer ist letztlich auch die Bereitschaft, für die Gestaltung seines Viertels Verantwortung mit zu übernehmen. Es ist dringend notwendig, wieder Siedlungsformen zu realisieren, die dem Miteinander der Menschen förderlich sind. Viele gesellschaftliche, bzw. gesundheitliche Probleme können auf falsches Bauen zurückgeführt werden.

26. März 2018
von thobit
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Mensch und Natur

Bei der Stapelung der Wohnungen nach oben geht zuerst der Mensch zugrunde und dann die Natur.
Bei der Stapelung in die Breite läuft es umgekehrt.

Friedensreich Hundertwasser, österreichischer Künstler, Maler und Architekt (1928 – 2000)

26. März 2018
von thobit
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Stadtplanung

„Dass von den Völkern der Germanen keine Städte bewohnt werden, ist zur Genüge bekannt, auch dass sie nicht untereinander verbundene Wohnsitze ertragen. Sie wohnen getrennt und in verschiedenen Richtungen auseinander, wie ein Quell, wie ein Feld, wie ein Wäldchen Gefallen erregte. Dörfer bauen sie nicht nach unserer Art mit verbundenen und zusammenhängenden Gebäuden: jeder umgibt sein Haus mit einem freien Raum, ein Schutz gegen Unglücksfälle durch Feuer oder auch aus Unkenntnis im Bauen“ (Cornelius Tacitus, römischer Geschichtsschreiber, ca. 55-116, in „Germania“)

Urbanes Bauen und Leben

Urbanität (lateinisch urbs: „Stadt“) umschreibt Ideale wie Bildung, Weltläufigkeit, feines Wesen und Höflichkeit. Ein Gegenbegriff ist die „Rustikalität“. Das zugehörige Adjektiv ist urban, dessen Gegenbegriffe sind „rustikal“, „bäurisch“ oder (bildungssprachlich) „böotisch“.

Urbanität (urbanitas) war in der Rhetoriklehre der römischen Antike und des Mittelalters eine zentrale Stil- und Sprachqualität. Sie meinte eine verfeinerte Eleganz des Stils und den subtilen, distanzierten Witz. Hergeleitet vom Wort lat urbanus welches fein, vornehm und gebildet heißt, drückt sich damit der Charakter des städtischen Sozialgefüges, z.B. dem Adel oder der Aristrokatie, aus. Die exklusive Urbanität hingegen, bezeichnet in der Geographie einen Bodenschatz.

Urbanität beschreibt in der Sozialgeographie einerseits die durch funktionale Differenzierung gekennzeichnete Stadt, andererseits im sozialwissenschaftlichen Sinne eine durch städtische Lebensweisen geprägte Alltagswelt. Urbanität umschließt somit sowohl städtebauliche also auch funktionale, sozio-kulturelle und sozio-ökonomische Elemente einer Lebensumwelt, die als „typisch städtisch“ interpretiert werden kann. Urbanität ist zugleich ein normativer Leitbegriff und Merkmal für Stadtentwicklung und Städtebau. Als Zielkategorie umfasst Urbanität hier vor allem die Förderung funktionaler, baulicher, sozialer und kultureller Vielfalt in Städten, die Ausprägung unterschiedlicher sozialräumlicher Milieus und die Wahrung des Nebeneinanders privater und öffentlicher Räume in der Stadt.

Mit Urbanität wird soziologisch eine Lebensweise umrissen, wie sie in einer Groß- oder Weltstadt entstehen kann: das kritisch-kühle, wendige Verhalten des sich in zahlreichen sozialen Rollen bewegenden und informierten Großstädters im Gegensatz zum unkundig-einspurigen „provinziellen“ Verhalten der Landbevölkerung (vgl. Louis Wirth: Urbanism as a way of life, 1938), in der Nachfolge von Georg Simmels Die Großstädte und das Geistesleben).

Wir wollen eine geordnete städtebauliche Entwicklung und eine dem Wohl der Allgemeinheit entsprechende sozialgerechte Bodennutzung fördern und dazu beitragen, eine menschenwürdige Umwelt zu sichern und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu entwickeln. Insbesondere planen und unterstützen wir die Schaffung von Wohnungen und Arbeitsstätten, die ein Miteinander von Wohnen, Arbeit, Versorgung, Freizeit und Kultur im Sinne einer Stadt der kurzen Wege ermöglichen.

Soziale Elemente im Wohnquartier

Die menschenfreundliche Siedlung oder Stadt bietet Plätze, Zeichen, Merkmale, Objekte, die zum Verweilen und zum Plausch einladen. Diese sozialen Elemente der Architektur machen ein Wohnquartier erst zur Heimat. Je stärker die Identifikation mit dem Wohnumfeld ist, desto größer ist letztlich auch die Bereitschaft, für die Gestaltung seines Viertels auch Verantwortung mit zu übernehmen. Es ist dringend notwendig, wieder Siedlungsformen zu realisieren, die dem Miteinander der Menschen förderlich sind.

Straßen als Lebensraum zurück erobern

Der öffentliche Raum von heute ist weitestgehend für das Fahren und Abstellen von Kraftfahrzeugen optimiert worden, sollte aber dringend wiederbelebt werden und der Entstehung und Entwicklung von Gemeinschaftssinn, sozialen Aktivitäten und Vitalität dienen. Wir möchten aus den öffentlichen Flächen vor den Haustüren bewohnbare und belebte Außenräume machen, die zum Verweilen einladen und ungefährdetes Spielen der Kinder zulassen – auch wenn sie noch keinen Führerschein haben.

Für ein positives Miteinander, eine angenehme Nachbarschaft und soziales Leben ist es Voraussetzung, dass der Einzelne sich zurückziehen, ungestört und unbeobachtet sein kann. Wer sich nie zurückziehen kann, begegnet seinen Mitmenschen eher ablehnend oder gar aggressiv. Freistehende Eigenheime auf Parzellengrößen unter 800 Quadratmeter sind weniger förderlich für eine friedliche Nachbarschaft und das persönliche Ruhebedürfnis als Häuser, die mit guter Schalldämmung Wand an Wand stehen. Abstandsflächen zwischen Häusern kosten viel Geld, lassen sich kaum akzeptabel gestalten und sind oft Anlass für Streitigkeiten.

Eine geschickte Siedlungsplanung schafft für jedes Haus eine lebhafte öffentliche und eine ruhige private Seite, Erholung und Geborgenheit auf der einen und urbanes Leben auf der anderen Seite. Eine geschlossene Bebauung ist wie eine Lärmschutzwand. Bei freistehenden Häusern dagegen findet eine Kreischsäge oder ein defekter Auspuff volle Aufmerksamkeit im ganzen Quartier.

Urbanität: städtisch, gebildet, geistreich.

Die Mischnutzung, also Wohnungen, Restaurants, Geschäfte, emissionsarme Gewerbe, Kinos und Theater in einem Viertel, reduziert Verkehr und bricht die Anonymität, die nicht nur in Großstädten sondern auch in den Schlafsiedlungen der Eigenheimer zu Hause ist. In gemischten Stadtvierteln können Menschen wirklich leben und nicht nur schlafen. Die Beeinträchtigungen durch Gewerbe sind heute nicht mehr so groß, dass man Wohnen und Arbeiten strikt trennen muss.

Man kann davon ausgehen, dass ohne städtebauliche Konzentration die kulturelle Entwicklung nicht so fortgeschritten wäre, wie es tatsächlich der Fall ist. Mit baulicher Dichte verbindet sich Information, Nachbarschaft, kulturelles Leben, Vielfalt, mit einem Wort: Urbanität.

Stadt der kurzen Wege

Nach landläufiger Überzeugung kann der Wunsch nach schönem Wohnen mit sicheren Spielgelegenheiten für die Kinder nur im Eigenheim auf dem Land erfüllt werden kann. Die Nutzung der dörflichen Randbereiche für Wohnzwecke bringt aber Trennungen von Hof und Feld durch Wohngebiete mit sich. Das beeinträchtigt sowohl den landwirtschaftlichen Funktionsablauf als auch die Wohnqualität der neuen Siedler.

Bauland ist dort am billigsten, wo es an allem fehlt, was man zum Leben braucht. Die Ansprüche an die Lebensqualität werden weiterhin in der Stadt befriedigt. Die alten Zentren können aber ihrer Funktion nicht mehr gerecht werden, wenn ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung in schlecht versorgten Schlafsiedlungen wohnt. Diese Menschen sind für alle Aktivitäten außerhalb der Wohnung auf das Auto angewiesen. Sie brauchen Parkplätze und Straßen, wo immer sie hinkommen.

Eine Stadtplanung mit menschenfreundlicher Nutzungsmischung bei hoher Bebauungsdichte verringert den Transportbedarf und die Zahl der Privat-PKW, hält Wegstrecken kurz und damit das Verkehrsaufkommen gering, die Flächen für ruhenden und fließenden Verkehr können reduziert werden. Werden Wohnungen, Restaurants, Geschäfte, emissionsarme Gewerbe, Kinos und Theater im selben Stadtviertel angesiedelt, können Menschen in diesem Quartier angenehm leben und nicht nur dort schlafen. Die Beeinträchtigungen durch Gewerbe sind heute nicht mehr so groß, dass man Wohnen und Arbeiten strikt trennen muss.

Bevor neue Baugebiete außerhalb der zusammenhängenden Orte erschlossen werden, müssen die Lücken innerorts geschlossen werden. Dort ist die notwendige Infrastruktur vorhanden, wird aber zum Nachteil der Bürger, die sie bezahlt haben, nicht voll genutzt.

26. März 2018
von Paul
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Neue Nachbarschaften

Die Mitgliederversammlung des Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V. hat angeregt das Thema „Neue Nachbarschaften“ stärker bekannt zu machen.

Gemeint sind damit nachbarschaftliche Zusammenschlüsse im Bestand, die eher nicht von Wohnprojekten oder von Institutionen ausgegangen sind. Bei der Mitgliedsorganisation Urbanes Wohnen e.V. in München schreibt man „Neue Nachbarschaften“ inzwischen groß. Für InteressentInnen am Gemeinschaftsorientierten Wohnen lohnt es sich, erst zu prüfen, ob es nicht sinnvoller ist, die vorhandene Nachbarschaft zu gestalten, als ein Wohnprojekt zu stemmen.

Positiv formuliert sind Neue Nachbarschaften: Bürgerinnen und Bürger sprechen Nachbarn an, um für sich ein soziales Umfeld zu schaffen, diejenigen, die wollen, machen mit und die Gruppe trifft mehr oder minder verbindliche Vereinbarungen z.B. über Aktivitäten oder gegenseitige Hilfe, über eine Vereinsgründung oder eine gemeinsame Kasse. Wie wir alle wissen, werden solche Gruppen häufig auch nach außen in der Gemeinde aktiv.

Negativ abgegrenzt: Ambulant betreute Wohngemeinschaften sind nicht gemeint, weil sie meist von Trägern ausgehen. Nachbarschaften im Kontext von Wohnprojekten sind für Menschen, die einfach da wohnen bleiben wollen, wo sie sind, kein Beispiel, weil die Voraussetzungen anders sind. Doris Knaier von Urbanes Wohnen e.V. sammelt gute Beispiele von Neuen Nachbarschaften und bereitet die Beiträge fuer eine spätere Broschüre auf. Bitte senden Sie Informationsmaterialien zu guten Beispielen aus Ihrer Gegend.

Info: doris.knaier@urbanes-wohnen.de
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Impressum
Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V. Bundesvereinigung
Haus der Region
Hildesheimer Str. 20
30169 Hannover
Tel. 0511 / 475 32 53
Fax: 0511 / 475 35 30
e-mail: info@fgw-ev.de
Internet: www.fgw-ev.de
Redaktion: Richard Palm
fgwa-online@freenet.de

24. März 2018
von thobit
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Wie viel Quadratmeter Wohnfläche braucht der Mensch?

Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände. (Artikel 25 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte)

Welche Wohnfläche ist angemessen? Nach den Reichsgrundsätzen für den Kleinwohnungsbau vom 10. Januar 1931 wurden die Größen für den geförderten Sozialwohnungsbau so festgelegt:

Die Wohnfläche der Wohnungen soll 32 bis 45 qm betragen und bei Wohnungen, die für Familien mit Kindern bestimmt sind, 60 qm nicht überschreiten. Eine mäßige Erhöhung der Wohnfläche kann ausnahmsweise zugelassen werden, insbesondere für Einfamilienhäuser, wenn die Zahl der Kinder oder zwingende Gründe es nötig machen.

Faktisch und durchschnittlich kommen gegenwärtig (2016) nach Angaben des Statistischen Bundesamts 46,5 Quadratmeter Wohnfläche auf einen Einwohner, wobei eine Wohnung durchschnittlich 4,4 Zimmer hat. Die Wohnfläche Pro Wohnung beträgt 91,7 Quadratmeter. Die Wohnfläche hat sich gegenüber 1965 verdoppelt.

22. März 2018
von Paul
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Einmal sollte man

Einmal sollte man seine Siebensachen
Fortrollen aus diesen glatten Geleisen.
Man müsste sich aus dem Staube machen
Und früh am Morgen unbekannt verreisen.
Man sollte nicht mehr pünktlich wie bisher
Um acht Uhr zehn den Omnibus besteigen.
Man müsste sich zu Baum und Gräsern neigen,
Als ob das immer so gewesen wär.
Man sollte sich nie mehr mit Konferenzen,
Prozenten oder Aktenstaub befassen.
Man müsste Konfession und Stand verlassen
Und eines schönen Tags das Leben schwänzen.
Es gibt beinahe überall Natur,
– Man darf sich nur nicht sehr um sie bemühen –
Und so viel Wiesen, die trotz Sonntagstour
Auch werktags unbekümmert weiterblühen.
Man trabt so traurig mit in diesem Trott.
Die andern aber finden, dass man müsste …
Es ist fast, als stünd man beim lieben Gott
Allein auf der schwarzen Liste.
Man zog einst ein Lebenslos „zweiter Wahl“.
Die Weckeruhr rasselt. Der Plan wird verschoben.
Behutsam verpackt man sein kleines Ideal.
– Einmal aber sollte man …(Siehe oben!)

Entnommen aus: Mascha Kaléko: Das lyrische Stenogrammheft. Kleines Lesebuch für Große. Rowohlt Hamburg 1956, S. 57

20. März 2018
von habito
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Bäume steigern das Wohlbefinden

Eine Forschungsarbeit der amerikanischen Wissenschaftlerinnen Virginia I. Lohr und Caroline H. Pearson-Mims des Departments of Horticulture and Landscape Architecture der Washington State University belegt, dass das Betrachten von Bäumen einen wohl tuenden Einfluss auf die Menschen ausübt.

Veränderungen im visuellen Umfeld beeinflussen die Wahrnehmung.

Ziel der Studie war es, die psychologischen und physiologischen Eindrücke einer urbanen Szenerie mit Bäumen unterschiedlicher Form wie konisch, kugelförmig und ausladend mit unbelebten Objekten zu vergleichen. Anhand von Computergrafiken, die ein städtisches Szenario zum einen ohne Baumbestand und zum anderen mit einzelnen, unterschiedlichen Baumformen darstellten, sollte die allgemeine Befindlichkeit der Probanden untersucht werden.

Forschungsergebnis
Die Probanden zeigten mehr positive Emotionen wie Glücksgefühle, Freundlichkeit und Aufmerksamkeit und weniger negative Emotionen, wie Traurigkeit, Furcht und Ärger beim Betrachten der urbanen Szenerie mit Baum. Besonders verstärkt wurden die positiven Gefühle bei der Computergrafik mit der ausladenden Baumform. Signifikante Unterschiede beim Überprüfen von Blutdruck und Hauttemperatur konnten nicht festgestellt werden.

Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass die Studie eindrucksvoll unterstreicht, welche heraus-ragende Bedeutung Bäume, gleichgültig welcher Form, in einer städtischen Umgebung spielen. Sie wirken auf den Stadtmenschen als beruhigende Katalysatoren und tragen zu einem Wohlgefühl und damit einer besseren Gesundheit bei. Da die positiven Eindrücke besonders bei den Bäumen mit ausladender Wuchs-form verstärkt wurden, sollten sie vor Institutionen wie Krankenhäusern, Arbeitsämtern etc. eingesetzt werden, denn hier befinden sich Menschen in meist unangenehmen Ausnahmesituationen.

Quelle: http://www.plants-for-people.de/history/baeume.htm

20. März 2018
von habito
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Wohnumfeld: Ein paar Verbesserungsvorschläge von Christopher Alexander

Zu der Frage, wie das optimale Wohnumfeld aussähe, hat eine Gruppe von Stadtplanern, Architekten, Philosophen unter Leitung von Christopher Alexander vor über 30 Jahren ein wundervolles Buch herausgebracht: A Pattern Language.

„Alexanders A Pattern Language ist wahrscheinlich das bedeutendste und wichtigste Buch über Architektur und Planung, das in diesem Jahrhundert erschienen ist. Jede Bibliothek, jede Schule, jede Umweltschutzgruppe, jeder Architekt und jeder Student sollte ein Exemplar besitzen.“ (Tony Ward, Architectural Design)

Das Buch ist in Deutschland mit dem Titel Eine Muster-Sprache herausgegeben worden, hat 1200 Seiten.

Die Verkehrsplanung und das Wohnumfeld nehmen den größten Raum in diesem Werk ein. Einige Überschriften:
Maschennetz von Landstraßen – Lokalverkehrszonen – Ringstraßen – Netz der Nahversorgung – Mini-Busse – Neun Prozent Parkplätze – Promenade – Einkaufsstraße – Grüne Straßen – Netz von Fuß- und Fahrwegen – Erhöhter Gehweg – Radwege und Ständer – Tanzen auf der Straße – Schlafen in der Öffentlichkeit – Fußgängerstraßen – Positiver Außenraum – Kinder in der Stadt – Zone vor dem Eingang …
Wenn man da durch ist, bleibt keine Frage hinsichtlich der optimalen Gestaltung des Wohnumfelds mehr offen – bis auf die eine: Warum lesen Politiker nicht?

Hier ein paar Zitate:

„Die Leute werden sich in Einzelhäusern nicht wohlfühlen, wenn nicht mehrere Häuser eine GRUPPE bilden und der öffentliche Grund dazwischen nicht allen Eigentümern gemeinsam gehört …
Ordne die Häuser in groben, aber identifizierbaren Gruppen von 8 bis 12 Haushalten an, jeweils um eine Gemeinschaftsfläche oder einen Weg. Leg die Gruppen so an, dass jeder durchgehen kann, ohne sich als Eindringling zu fühlen“
(Christopher Alexander: Eine Mustersprache – Muster 37)

„Menschen brauchen eine identifizierbare räumliche Einheit, zu der sie gehören. … Hilf den Leuten beim Festlegen der NACHBARSCHAFTEN, in denen sie leben – höchstens 300 m im Durchmesser mit höchstens 400 oder 500 Einwohnern…“
(Christopher Alexander: Eine Mustersprache – Muster 14)

„Ohne Gemeinschaftsflächen kann kein soziales System überleben …

Widme mindestens 25 Prozent der Bodenfläche einer Hausgruppe als Gemeinschaftsfläche, die unmittelbar an die zugehörigen Wohnungen angrenzt oder wirklich ganz in der Nähe ist.
Ganz wichtig: Sei vorsichtig mit den Autos; sie dürfen diese Flächen auf keinen Fall beherrschen“
(Christopher Alexander: Eine Mustersprache – Muster 67)

„Kinder brauchen andere Kinder. Aufgrund mancher Erkenntnisse kann man sogar annehmen, dass sie andere Kinder mehr brauchen als die eigenen Mütter…
Eine typische vorstädtische Parzellierung mit privaten Grundstücken entlang einer Straße sperrt die Kinder fast in ihre Häuser ein.

Eltern fürchten den Verkehr oder die Nachbarn und halten die Kinder im Haus oder im eigenen Garten: So machen die Kinder nie genug Zufallsbekanntschaften mit anderen Kindern ihres Alters, durch die sich jene Gruppen bilden könnten, die für eine gesunde emotionale Entwicklung wesentlich sind“
(Christopher Alexander: Eine Mustersprache – Muster 68)

„Wenn Kinder während der ersten fünf Lebensjahre nicht genug mit anderen Kindern spielen, besteht eine größere Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen in ihrem späteren Leben.“
(Christopher Alexander: Eine Mustersprache – Muster 68)

„Leg Gemeinschaftsflächen, Wege, Gärten und Brücken so an, dass Gruppen von mindestens 64 Haushalten durch einen Landstreifen ohne Straßenquerung verbunden sind.
Definiere dieses Land als den ZUSAMMENHÄNGENDEN SPIELRAUM für die Kinder dieser Haushalte“
(Christopher Alexander: Eine Mustersprache – Muster 68)

„Wenn es Kindern nicht möglich ist, die gesamte Erwachsenenwelt um sie herum zu erforschen, können sie nicht erwachsen werden. Moderne Städte sind jedoch so gefährlich, dass man Kindern nicht erlauben kann, sie frei zu erforschen.“
(Christopher Alexander: Eine Mustersprache – Muster 68)

Weitere Beispiele:

Öffentliches Zimmer im Freien (Kap. 69)

Hierarchie von Außenräumen (Kap. 114)

Gemeinschaftsbereiche in der Mitte (Kap. 129)

Gemeinsames Essen (Kap. 147)

19. März 2018
von Paul
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Freies Obst für freie Bürger

Von Natur aus braucht der Mensch kein Geld zum Leben. Im Gegenteil: Geld ist als Nahrungsmittel eher ungeeignet und übertrifft in dieser Eigenschaft sogar Fastfood.

Die Natur stellt dem Menschen und den anderen Tieren immer noch alles lebensnotwendige zum Pflücken, Sammeln, Jagen zur Verfügung. Dumm nur, dass einige wenige Menschen Zäune und Mauern drumherum errichten dürfen, um die mehreren anderen von den Früchten fernzuhalten. Diese müssen nun erst an Geld kommen, um das, was Gott für alle geschaffen hat, denen abkaufen zu können, die es zu ihrem Eigentum gemacht haben.

Nun wächst aber vielerorts mehr, als die Eigentümer essen können und die haben auch keine Lust, den Überschuss zu verkaufen,  weil sie vom Geld auch schon mehr haben als sie verbrauchen können und weil das Arbeit machen würde, und Arbeit ist etwas für Leute, die nichts haben, denn Arbeit soll sich ja lohnen.

So vergammelt jedes Jahr wieder Obst auf den Bäumen, das man für Geld nicht kaufen kann.

Aber es gibt die Initiative Mundraub. Ihre Devise: Freies Obst für Freie Bürger. Und das ist gut so.

www.mundraub.org zeigt auf einer Landkarte die Standorte von frei verfügbarem Obst, und jeder kann diese Karte mit eigenen Fundstellen ergänzen.