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Argumente für Holzböden im Vergleich zu Laminat

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Antwort auf eine Frage bei Utopia <www.utopia.de/gutefragen/fragen/argumente-fuer-holzboeden-im-vergleich>

Als immer weniger Menschen Möbel aus kunststoffbeschichteten Spanplatten kauften – auch wegen der Angst vor den enthaltenen Giften, musste sich die Industrie überlegen, wo sie anderweitig große Mengen an Melamin-Harz-Oberflächen loswerden konnte, und da fiel der Blick der Strategen auf den Fußboden. Der Rest war sehr geschickte Werbung mit dem Ziel und dem tatsächlichen Ergebnis, das die Mehrheit der Leute glaubt, dass kunststoffbeschichtete Spanplatten, wenn man ihnen einen neuen Namen gibt und sie auf den Fußboden legt, etwas edles seien.

Die Unterschiede zwischen Holz und Laminat in der Trittschalldämmung sind unerheblich, denn die Schalldämmung wird maßgeblich von der Unterlage bestimmt. Der Belag muss von der Unterlage durch eine Trittschalldämmmatte oder -platte (z.B. Holzweichfaserplatte) getrennt sein, um eine spürbare Verbesserung zu erreichen.

Fichte ist eines der weichesten Hölzer. Kiefer ist nicht viel härter, ist aber von Natur aus feuchteresistenter, aber die Äste sind meist lose und müssen ausgebohrt und gestopft werden, während sie bei Fichte fest sind. Ich hätte keine Bedenken, in der eigenen Wohnung Fichte für den Fußboden zu verwenden – sogar in der Küche, aber als Architekt müsste ich das den Bauherren ausreden, damit ich nicht für Flecken, Dellen und Kratzer haften muss. Ich habe an anderer Stelle über meine Küchenarbeitsplatte aus Fichte berichtet, wo war das noch gleich… hier: www.utopia.de/gruppen/forum/thema/185137#comment-205781

Bei meinem letzten Umzug habe ich mir eine Küchenarbeitsplatte zuschneiden lassen. Freitragend auf 3 Meter Breite und 75 cm tief, weil 60 cm einfach unpraktisch sind. Die Platte sollte mit Linoleum belegt werden, deswegen habe ich Dreischichtplatte aus Fichte hergenommen. Weil ich nicht gleich ein passendes Linoleum finden konnte, habe ich das Fichtenholz erstmal fein geschliffen, mit Stahlwolle geglättet und mit Holzöl und Hartwachs wasserfest gemacht – provisorisch. Das Provisorium hat 5 Jahre gut gehalten und keinen schlechten Eindruck gemacht. Wenn ich nicht wieder umgezogen wäre, würde ich mich immer noch über diese kostengünstige und schöne Lösung freuen.

Die Platte war nur 22 mm dick. Das wäre allein nicht tragfähig. Deshalb habe ich einen 10 cm hohen Streifen von der selben Platte unter die vordere Kante geleimt. Hinten lag die Platte auf Konsolen auf. Arbeitsflächenhöhe war gut 97 cm; so passt der 85-cm-Kühlschrank drunter und man kann aufrecht daran arbeiten.

Die Dreischichtplatten – die mittlere Lage liegt quer zu den äußeren – sind auch gut als Dielen geeignet. Durch die Verleimung – wie Sperrholz – „arbeiten“ sie nicht mehr. Die Fugen gehen also nicht so auf, wie man das von alten Dielenfußböden kennt. Leider wird die Holzqualität immer schlechter, weil die Bäume schneller wachsen (CO2 in der Luft); die Jahresringe werden breiter und das Holz weicher.

Laminat bringt man ziemlich bald zum Problemmüll und baut neues ein, wenn man genügend erfahrungsresistent ist. Fichtendielen kann man abschleifen, dann sind sie wie neu. Kleine Dellen macht man nass, dann heben sie sich wieder. Ein Rotweinfleck ist eine Katastrophe – solange er allein ist. Jedes weitere Missgeschick macht die Biografie des Bodens interessanter. Aber wenn man das Holz mit Holzölgrundierung vorbehandelt und mit Hartwachs nachbehandelt, bleibt nichts zurück, wenn man sofort aufwischt.

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